Es gibt Tage auf der Rennstrecke, da läuft es.
Und es gibt Tage, da läuft es richtig!
Und dann gibt es diese seltenen Tage, an denen Auto, Fahrer, Reifen und Technik offenbar morgens gemeinsam beschlossen haben:
„Heute benehmen wir uns einfach mal.“
Genau so einen Tag hatten wir am Bilster Berg. Auto fit. Fahrer motiviert. Reifen willig. Strecke gut. Und vermutlich standen Merkur, Mars und der Luftdruck im linken Hinterreifen zufällig im richtigen Winkel zueinander.
Das Ergebnis:
Persönliche Bestzeit!
Und nein, wir haben nicht heimlich die Stoppuhr manipuliert. Wir haben Beweise. Es gibt ein Inboard-Video. 😉
Eigentlich ist das mit der schnellen Runde ganz einfach …
Wer noch nie am Bilster Berg gefahren ist, könnte meinen:
Einsteigen. Anschnallen. Gas geben. Vor den Kurven ein bisschen bremsen. Lenken. Danach wieder Gas. Fertig!
Wir fragen uns eigentlich auch, warum nicht jeder Rennfahrer ist. Der Bilster Berg hat allerdings eine ausgesprochen charmante Art, solche Theorien innerhalb weniger Kurven zu korrigieren. 4,2 Kilometer. 19 Kurven. 44 Kuppen und Wannen. Bis zu 26 Prozent Gefälle und 21 Prozent Steigung.
Oder anders gesagt: Mehr als genug Gelegenheiten, eine richtig gute Runde gründlich zu versauen! Dazu kommen blinde Kurven, schnelle Richtungswechsel und Bremspunkte, die grundsätzlich dort liegen, wo der Kopf schon seit einigen Metern sagt:
„BREMSEN WÄRE JETZT ECHT EINE GUTE IDEE!“
Das rechte Bein hat dazu manchmal eine andere Meinung. Bei uns geht das eher so: „Puls hoch. Reifen warm. Adrenalin da. Vernunft… reden wir später darüber.“
Spät bremsen allein macht noch keine schnelle Runde
Natürlich gehört Mut dazu. Aber irgendwann stellt man fest, dass „Augen zu und später bremsen“ kein anerkanntes Fahrwerks-Setup ist. Eine schnelle Runde entsteht vielmehr aus vielen Kleinigkeiten. Der Bremspunkt sitzt. Das Auto bleibt beim Anbremsen ruhig. Der Einlenkpunkt passt. Der Scheitelpunkt befindet sich tatsächlich ungefähr dort, wo man ihn vermutet hat.
Und am Kurvenausgang darf das rechte Pedal endlich wieder seiner eigentlichen Bestimmung nachgehen: GAS.
Klingt simpel. Ist es auch. Bis man es versucht.
Und dann kam die Runde …
Schon während der Fahrt fühlte sie sich gut an. Nicht besonders wild. Nicht spektakulär. Keine hektischen Korrekturen. Kein:
„Huch, das war jetzt aber knapp.“
Einfach sauber. Und genau das ist meistens verdächtig. Denn Runden, nach denen man aussteigt und zunächst überprüfen möchte, ob noch alle Karosserieteile vorhanden sind, sind erstaunlich selten persönliche Bestzeiten. In der Box wurde vorsichtshalber schon mal nervös geguckt. Eddie sieht man den Gedanken fast an: „Mach. Bloß. Keinen. Scheiß!
Die wirklich schnellen Runden fühlen sich häufig fast unspektakulär an. Bis man auf die Uhr schaut. Und diesmal sagte die Uhr:
PERSÖNLICHE BESTZEIT.
Kurzes Schweigen. Dann Grinsen. Dann noch etwas mehr Grinsen. Und ungefähr zwölf Sekunden später: „Da geht aber noch was.“ Natürlich.
Motorsportler haben ein Problem
Normale Menschen würden jetzt vermutlich sagen: „Super! Persönliche Bestzeit. Toller Tag. Jetzt trinken wir ein Bier.“
Motorsportler sagen: „Schau mal hier. In der Kurve hätten wir noch zwei Zehntel holen können.“ Und damit beginnt das Elend wieder von vorne.
Daten ansehen. Video anschauen. Noch einmal anschauen. Zurückspulen. Standbild. Diskutieren. Reifendrücke vergleichen. Bremspunkte diskutieren. Setup hinterfragen. Noch einmal Video anschauen. Und irgendwann fällt garantiert der teuerste Satz im Motorsport:
„Eigentlich müssten wir nur noch …“
Ihr könnt die Runde selbst mitfahren
Das Schöne daran: Die komplette Runde gibt es als Inboard-Video.
Keine zusammengeschnittene Wunder-Runde. Kein „Best of“. Keine fünf Versuche zu einer Runde zusammengesetzt. Keine Ausreden. Einsteigen. Anschnallen. Ton an. Und los geht’s.
Inboard: Persönliche Bestzeit am Bilster Berg
Das eigentliche Problem mit einer persönlichen Bestzeit
Bis gestern war die alte Zeit das Ziel. Jetzt ist sie Geschichte. Und wir haben ein neues Problem:
Wir wissen jetzt, dass es schneller geht.
Noch schlimmer: Wir wissen bereits ungefähr, wo es schneller gehen könnte. Also wird analysiert. Gemessen. Diskutiert. Geschraubt. Wieder gemessen. Noch einmal diskutiert. Eddie wird irgendetwas finden. Shorty wird etwas dazu sagen.
Und irgendwann liegt garantiert wieder Werkzeug neben Emma. Obwohl vorher ausdrücklich jemand gesagt hat: „Wir machen heute nichts mehr am Auto.“
Ja. Kennen wir.
Die persönliche Bestzeit steht.
Zumindest im Moment. Denn eine Bestzeit hat im Motorsport ungefähr dieselbe Lebenserwartung wie der Satz:
„Jetzt lassen wir das Auto erst einmal so.“
Wir freuen uns riesig über die Runde. Aber zufrieden? Na ja.
Da geht doch noch was – Man kann versuchen, sie wieder kaputtzumachen!